Der Baum stützt sich auf seinen Wurzeln, der Mensch auf sein Herz.
  Der Baum stützt sich auf seinen Wurzeln, der Mensch auf sein Herz.                                                

Das Glücksrezept eines Rennfahrers

Mike Rockenfeller, Foto: AUDI

 

 

Mike Rockenfeller (31), Rennfahrer aus Leidenschaft. Er ist bei der DTM und bei den 24 Stundenrennen von Le Mans ganz vorn am Start. Er wird von seinen Fans und Freunden „Rocky“ genannt. Er ist einer der mit erfolgreichsten Rennfahrer Deutschlands. Trotz seiner Erfolge ist er bodenständig und bescheiden geblieben.

 

Heute lebt er mit seiner Familie im Schwitzerländle und ist Vater eines kleinen Jungen, der wohl jetzt schon das Rennfahrergen im Blut hat.

 

 

 

Im elterlichen Betrieb hat er eine Lehre als Kfz-Mechaniker gemacht. An den Wochenenden ist er seinen Verpflichtungen als Rennfahrer auf den Kartbahnen und Rennstrecken dieser Welt nachgekommen. Durch seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker kennt er sich sehr gut mit der Technik aus und legt selbst Hand an.

Als 18-jähriger bekam er ein Angebot in das Porsche-Junior-Team zukommen. Somit war der Startschuss seiner Karriere gefallen.

 

2004 gewann er den Porsche Carrera Cup und seinen ersten Klassensieg bei den 24 Stunden von Le Mans. Ende 2006 wechselt „Rocky“ zu AUDI, da er hier gleichzeitig in Le Mans und bei der DTM an den Start geschickt wird. 2010 holte er den Gesamtsieg in Le Mans. 2013 holt er sich den Titelgewinn bei der DTM. Seit nun 9 Jahren ist er für den Rennstall von AUDI unterwegs.

 

An den Sommer 2011 wird sich „Rocky“ noch lange erinnern. Es war der 12.06.2011, Samstagabend 22.41 Uhr, als den Zuschauern plötzlich der Atem stockte. Fernsehkameras zeigen umherfliegende Fahrzeugteile. Menschen schreien. Ein Horror-Unfall. Es hat einen R18 TDI getroffen - Startnummer "1". Titelverteidiger „Rocky“ ist schwer verunglückt. Minutenlang hält die Motorsport-Welt den Atem an und bangt um das Leben von "Rocky". Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich gibt vorsichtige Entwarnung: "Rocky ist aus eigener Kraft aus dem Auto ausgestiegen!"

 

Da stellt sich mir die Frage: „Welches Glücksrezept fährt an „Rockys“ Seite mit?

 

Welche Gedanken und Gefühle verbinden Sie mit dieser Unfallnacht im Sommer 2011? Mittlerweile denke ich nicht mehr allzu oft an die Unfallnacht, außer ich werde direkt darauf angesprochen. Was ich natürlich damit verbinden muss und darf, ist in erster Linie Glück - Glück, dass mir nichts passiert ist – und sportliche Enttäuschung. Im Großen und Ganzen ist dieser Unfall aber nach über vier Jahren für mich kein Thema mehr, über das ich tagtäglich nachdenke.

 

Mit welchem Gefühl stiegen Sie 2012 auf der gleichen Rennstrecke wieder in den AUDI und fuhren den dritten Platz ein? Erst einmal war ich froh, wieder dort fahren zu können. Ich bin in das Rennen gegangen, um einen Sieg einzufahren. Am Ende wurde es leider nur der dritte Platz. So richtig besonders war das nicht. Ich bin in der Zwischenzeit ja auch viele andere Rennen gefahren, wodurch der Unfall einiges an Präsenz verloren hat. Die ersten paar Runden hatte ich natürlich, gerade an der Unfallstelle, ein komisches Gefühl. Besonders beim Überholen. Wenn es an ein ähnliches Manöver ging, wie jenes, das damals zum Unfall geführt hat, habe ich dann schon genau aufgepasst.

 

Wie haben und halten Sie sich in solchen kritischen Situationen mental & körperlich fit? Wer steht Ihnen zur Seite? Zur Seite stand und steht mir immer noch Audi. Sowohl was die körperliche, als auch die mentale Fitness angeht. Wir werden jährlich zwei bis drei Mal von oben bis unten durchgecheckt und bekommen entsprechende Trainingsempfehlungen. Die setze ich dann selbst um, damit ich fit bleibe. Als Rennfahrer ist ein konstant hohes Level an physischer und psychischer Fitness sehr wichtig. Auch mental war Audi meine größte Stütze. Ich wurde trotz des schweren Unfalls weiterhin als Fahrer unterstützt und gefördert. Klar war dieser Unfall extrem; extreme Situationen erlebt man aber nicht nur einmal während der Karriere. Das schlimmste war eigentlich der Misserfolg und das Gefühl der Machtlosigkeit. Ich habe mir mit der mentalen Aufarbeitung Gott sei Dank nicht allzu schwer getan. Das Beste, was man meiner Meinung nach machen kann, ist, sich wieder ins Auto zu setzen und Rennen zu fahren.

 

Haben Sie je einen Gedanken daran verschwendet nach diesem Sommer oder ähnlichen Situationen die Karriere zu beenden - zumal Sie Familie haben? Nein, das war nie ein Gedanke – in keiner Sekunde. Ich überlege zwar mittlerweile schon, welche Rennen ich fahre, das ist aber nicht dem Unfall geschuldet. Ich denke, das liegt eher an meinem Alter und daran, dass ich Familie habe. Die DTM und Le Mans sind mir sehr wichtig. Wenn man den Standard bei Audi gewohnt ist - auch was die Sicherheit der Fahrzeuge angeht - tut man sich eben schwer, in andere Autos, wie z.B. bei den Daytona Rennen, zu steigen. Früher habe ich zu keinem Rennen „Nein“ gesagt, heute selektiere ich da genauer. Meine Karriere zu beenden steht für mich aber außer Frage. Ich bin jetzt 31, da habe ich hoffentlich noch viel vor mir.

 

Aktuell stehen Sie in der DTM Tabelle auf Platz 10. Wie gehen Sie mit Niederlagen um? Sind Sie deshalb momentan eher weniger in Facebook unterwegs? Das hat nichts mit Erfolg oder Misserfolg zu tun, sondern eher damit, dass es mir noch nie wirklich gelegen hat. Was Facebook angeht, bin ich grundsätzlich zwiegespalten. Natürlich sollte das jeder selbst entscheiden. Für mich sehe ich aber keine Notwendigkeit, jeden Tag etwas auf Facebook zu posten. Man muss ja auch nicht jedem Trend folgen. Was die DTM angeht, macht mir die „Niederlage“ diese Saison schon zu schaffen. Da hoffe ich natürlich, dass es nicht weiterhin so schlecht läuft. Man muss sehen, was nicht optimal lief und das dann entsprechend aufarbeiten und verbessern. Das wird den Winter über passieren und dann gehen wir gestärkt ins neue Jahr. In der DTM liegen Erfolg und Niederlage nahe beieinander. Dass wir gewinnen können, haben wir diese Saison in Moskau bewiesen. Daran gilt es nun anzuknüpfen.

 

Am 31. Oktober feiern Sie Ihren 32. Geburtstag. Welche Wünsche und Ziele hat ein Rennfahrer Ihre Klasse – privat und beruflich? Privat natürlich Gesundheit – ganz klar. Nicht nur für mich selbst, sondern auch für meine Familie. Beruflich hoffentlich noch viele gute Jahre im Motorsport. Speziell für das nächste Jahr würde ich mir den ein oder anderen Erfolg und Rennsieg ganz besonders wünschen, egal in welcher Serie. Weiter denke ich dann aber auch nicht. Die Saison ist ja gerade erst zu Ende gegangen.

 

Dürfen wir Sie in der nahen Zukunft neben Sebastian Vettel & Co. bei der Formel 1 sehen? Nein, das ist ungefähr so wahrscheinlich, wie ein Lottogewinn. Das Thema ist meinerseits abgeschlossen. Ich habe einen anderen, für mich sehr guten und richtigen Weg eingeschlagen. Lieber wäre mir, mich selbst wieder in einem LMP1-Boliden in Le Mans zu sehen, anstatt neben Sebastian Vettel in der Formel 1.

 

Bitte beenden Sie den nachfolgenden Satz.

Ein glückliches, erfülltes und zufriedenes Leben ist für mich, wenn …

… ich gesund bleibe, meine Familie und Kinder erlebe und sehe wie sie groß werden. Letztendlich ist es genau das, was zählt im Leben.

 

Kann dies auch erlebt/gelebt werden in nicht rosigen Zeiten? Natürlich. Ich hätte auch anders antworten können, z.B. sagen können, dass gewinnen das wichtigste im Leben ist. Am Ende ist das aber nicht das entscheidende.

 

Manchmal gibt es im Leben nicht so perfekte Tage, an denen man diesen gern aus dem Kalender streichen möchte. Welches Geheimrezept haben Sie für solch einen Tag? Ich habe kein Geheimrezept. Mir geht es in solchen Situationen wie jedem anderen Menschen auch. Natürlich bin ich mal schlecht gelaunt, das ändert sich dann aber recht schnell wieder. Ich finde es bringt nichts, sich tagelang über etwas aufzuregen. Also schaue ich lieber nach vorne, nicht zurück.

 

Ihr persönliches Lebensmotto/ Ihr Glücksrezept? So etwas habe ich auch nicht. Weder Motto noch Glücksrezept. Ich lebe mein Leben so, wie ich es für richtig halte und versuche das Beste aus allem zu machen.

 

Herzlichen Dank Herr Rockenfeller für das Interview. Danke, dass Sie mir noch mehr Adrenalin und Lebensfreude mit auf meinen Weg geben. Ich freue mich auf unsere nächste Begegnung und darauf, Sie live auf der Rennstrecke zu erleben.

 

 

Mike Rockenfeller, Foto; AUDI
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