Der Baum stützt sich auf seinen Wurzeln, der Mensch auf sein Herz.
  Der Baum stützt sich auf seinen Wurzeln, der Mensch auf sein Herz.                                                

„Das Hirn im Bauch hat seinen eigenen Kopf“

Professor Dr. rer. nat. Michaela Döll, Foto: Robert Schmelka

Prof. Dr. Michaela Döll aus dem Buch „Darmgesund"

 

Der Volksmund rät „hör auf dein Bauchgefühl" oder „schlaf mal drüber",  wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Doch wer fasst tatsächlich die besseren Beschlüsse - unser Verstand oder unsere Intuition? Natürlich trifft ein Mensch mit seinem Kopf Entscheidungen. Der Entscheidungsprozess geht meist mit vielen Denkprozessen einher und läuft im Gehirn ab. Aber der amerikanische Neurowissenschaftler Michael Gershon sagt: „Das Gehirn ist in unserem Bauch“.

 

Mehr als 100 Millionen Nervenzellen umhüllen den menschlichen Verdauungstrakt. Mehr Neuronen als im gesamten Rückenmark sind dort zu finden. Dieses „zweite Gehirn", so haben Neurowissenschaftler herausgefunden, ist quasi ein Abbild des Kopfhirns - Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren sind exakt gleich. Was aber macht dieses zweite Gehirn? Denkt und fühlt es, erinnert es sich?

 

Neueste Forschungen zeigen, dass psychische Prozesse und das Verdauungssystem weitaus inniger gekoppelt sind, als man bisher gedacht hat. Das Bauchhirn spielt eine große Rolle bei Freud und Leid. Mikrobiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich das Keimspektrum im Darm unter psychischen Belastungen, Ärger und Mobbing verändern kann.

 

Da stellt sich mir die Frage: „Sitzt unser Glück im Bauch?

 

Um auf diese Frage eine Antwort zu erhalten habe ich mit der Expertin Professor Dr. rer. nat. Michaela Döll Kontakt aufgenommen. Professor Döll ist als Fachreferentin seit mehr als zwanzig Jahren in der Weiterbildung von Ärzten, Heilpraktikern und Apothekern tätig und ist Lehrbeauftragte an der Universität Braunschweig. Ihre Schwerpunkte sind die Vitalstoff-medizin (orthomolekulare Medizin), Ernährung, Zivilisations- und umweltbedingte Krankheiten. Mit über 250 publizierten Artikeln und bislang insgesamt 15 Büchern hat sie sich in der Fachwelt längst einen Namen gemacht. Ihr Expertenrat ist auch in TV- und Hörfunksendungen gefragt. Ihr aktuelles Buch „DARM GESUND“ gibt auf 143 Seite Einblicke in dieses Thema.                

In der deutschen Sprache ist „Glück" als Begriff sehr unscharf, es hat mindestens drei verschiedene Bedeutungen, nämlich „Zufallsglück", „Wohlfühlglück" und „dauerhaftes Glück". Heute möchte ich mit Professor Döll über das Wohlfühlglück sprechen.

 

Welches Zusammenspiel gibt es zwischen Bauch und Psyche?

In unserem Verdauungstrakt sitzt das „Bauchhirn“ – ein Nervensystem, welches autonom (d. h. völlig eigenständig) arbeitet. Es ist sogar so, dass diese Nervenzellen mehr Informationen an unser Gehirn schicken als sie von dort empfangen.

 

Was macht das Glückshormone Serotonin in unserem Körper und wo wird es produziert?

In dieser Nervenzentrale werden 90% des körpereigenen Glücksstoffs Serotonin gebildet. Serotonin sorgt für ein „Wohlfühlegefühl“, für eine gute Stimmung und ist auch am Sättigungsgefühl beteiligt. Und somit kommt das „Glück“ überwiegend aus dem Bauch. Aber die Nervenzellen dort und auch unsere Darmflora ist für Gefühle, Stress und Ärger empfänglich. Solche Belastungen können daher zu Reizzuständen im Verdauungstrakt beitragen und da die „Gesundheit im Darm“ sitzt auch diese damit nachteilig beeinflussen.

 

Spielt eine gesunde und ausgewogene Ernährung eine wichtige Rolle um glücklich zu sein?

Wenn man so will schon, denn eine vitalstoffreiche Kost kann z. B. das Wachstum der „guten“ Darmbakterien begünstigen und diese sind, wie bereits erwähnt, maßgeblich an unserer Gesundheit, aber auch unserer psychischen Verfassung mitbeteiligt. Man spricht in diesem Zusammenhang sogar von einem „dritten Gehirn“, nämlich der „Intelligenz“ der Darmbakterien. Wenn wir uns schlecht ernähren, viel Fertiggerichte mit Lebensmittelzusatzstoffen verzehren und wenig Ballaststoffe zuführen dann „verabschieden“ sich auch gerne die guten Darmbakterien, denn sie brauchen zum Überleben das richtige „Futter“.

 

Warum macht Schokolade glücklich?

In Schokolade sind „Glücksstoffe“ (Serotonin, Anandamid) enthalten. Häufig wird dadurch zusätzlich das Belohnungszentrum im Gehirn befriedigt. Aber Schokolade kann, im Übermaß genossen, auch dick machen. Das dürfen wir dabei nicht vergessen! Nur die dunklen Sorten sind überhaupt empfehlenswert.

 

Können wir selbst an unserem Wohlfühl-Glücks-Schalter drehen?

Hier kommen wir schnell zum Begriff „Work-Life-Balance“. Wir leben in einer leistungsorientierten Zeit, die noch dazu durch eine permanente Reizüberflutung charakterisiert ist. Viele nehmen körpereigene Signale nicht mehr in ausreichendem Maß wahr und gönnen sich zu wenige wirklich ruhige Auszeiten.

 

Gibt es ein Geheimrezept für das Wohlfühlglück?

Weniger ist mehr – das trifft hier zu! Ehrgeiz ist grundlegend eine fruchtbare Basis für das Leben, aber es fehlt hierbei häufig an Achtsamkeit. Weniger Stress und Belastung, weniger (materielle) Ansprüche – das wäre hilfreich um wieder ein gutes Körpergefühl zu kommen. Viele Menschen haben aber auch nicht wirklich eine Wahl und leben in unserer Gesellschaft am Existenzminimum.

 

Ihr persönliches Lebensmotto oder Spruch?     

Setze Dir Ziele, erwarte etwas von Dir selbst – verliere aber dabei nicht die Achtsamkeit für Deine Gesundheit und Dein Wohlbefinden.

 

Frau Professor Döll, dass nenne ich ein schönen Schlusssatz und bedanke mich bei ihnen für das Interview. SonJA on Tour! sagt herzlichen Dank. Ich freue mich auf unsere nächste Begegnung.     

 

 

Cover: Prof. Dr. Michaela Döll
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